aufrechter Stand

Vom Kriechen zum Gehen

Anfangs liegt das Zentrum der Schwerkraft im Kopf. Der äußerst bewegliche Mund zieht den Körper vorwärts. Das Kriechen basiert auf Schwimmbewegungen und der Fähigkeit, die Wirbelsäule mit Hilfe der Gliedmaßen zu verlängern und den Nacken zu beugen. Es ist bereits ein Balanceakt in der Form der Reptilien und gleichzeitig das Grundmuster des Gehens: sich von der Oberfläche abstoßen- ausgreifen- sich wieder zu ihr hinziehen- die neue Oberfläche einnehmen- sich wieder wegstoßen. Diese äußere Fortbewegung spiegelt den inneren Bewegungsfluß in Expansion und Kontraktion, Streckung und Sammlung, nur das sie eine willkürliche Bewegung ist.
Im Krabbeln erweitern sich die Bewegungsmöglichkeiten des Hüftgelenkes und die Geschicklichkeit, Brust- und Bauchraum bewegen zu können. Während Kriechen im Wesentlichen eine Aktivität ist, die auf freier innerer Beweglichkeit beruht, ist Krabbeln der bewußte Gebrauch der Skelettmuskulatur.
Krabbeln ist die Über- Kreuz- Bewegung der Säugetiere.

Der aufrechte Stand

Beim Stehen verlagert sich der Schwerpunkt ins Kreuzbein- Beckendreieck, so daß die Organbeweglichkeit unabhängig oder in Verbindung mit äußeren Muskelschichten stattfinden kann. Der Schritt von unwillkürlicher zu willkürlicher Bewegung verbindet Emotion mit bewußtem Verhalten. Der innere Bewegungsfluß ist die emotionale Basís, auf der willkürliche Bewegungen diese beherrschen lernen, um sich aufzurichten.
Das Aufrichten und gleichzeitige Offenlegen der weichen Seite, die Tiere nur als Zeichen der Unterwerfung offenbaren, bringt Gefühle der Selbstbehauptung sowie neue Verteidigungshaltungen auf.

dynamische Balance und Spannungsmuster
Aufrechtsein entspringt der Vitalität vertikaler Pulsation: einer Wellenbewegung, die durch ein sich unterstützendes System von Röhren, Schichten, Höhlen und Diaphragmen aufrechterhalten wird. Im Normalfall kann die pulsatorische Welle eine Vielfalt von Bewegungen ausführen: zur Welt hin oder von ihr weg, sich beschleunigen oder verlangsamen. Sie ermöglicht dem Organismus zu geben und zu nehmen, sich zu füllen und zurückzuhalten, wegzustoßen und heranzuziehen. Diese Bewegungen sind die grundlegende Organisation unseres Gefühlslebens.
Befinden wir uns in dynamischer Balance, ist der aufrechte Stand keine Anstrengung.
Das Gefühl das Getragenwerdens in der Schwerkraft mit den Boden unter den Füßen ist die Grundlage unseres Sicherheitsgefühls.
Jede dauerhafte Verschiebung aus dem lotrechten Aufrechtsein durch Spannungsmuster, läßt uns steifer stehen, unsicherer gehen.

Das Aufgerichtetsein ist sowohl eine genetische Struktur als auch ein biochemisches Feld, eine mechanische Struktur und ebenso emotional zu verstehen. Es ist ein Entwicklungsschritt von innerer Beweglichkeit hin zur Bewegung und Beherrschung des Gravitationsfeldes.
Es hat auch eine symbolische Bedeutung in der Interaktion mit anderen Menschen, denn wir begegnen einander aufrecht. Durch die verletzliche Front sind intime Begegnungen möglich, doch sogleich treffen Bedrohungen uns unmittelbarer.

Aufgerichtetsein ist daher ein emotionales sowie auch soziales Ereignis.
Das individuelle Aufgerichtetsein wird durch die persönliche, emotionale Geschichte beeinflußt.
Uns alle treffen bei dem Prozeß, uns aufzurichten, Verletzungen, aber entscheidend für die Formbildung ist sowohl die Art dieser Bedrohungen als auch unsere Reaktion darauf.
Aus somatischer Sicht meint der Begriff “Verletzung” alle inneren und äußeren Ereignisse, die den Schreckreflex auslösen.

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