Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Wie wir uns selbst und die Welt um uns her wahrnehmen, entscheidet grundsätzlich die Art, wie unser Gehirn die Signale verarbeitet und verarbeiten kann, die es über die vielfältigen Sinne und Rezeptoren als Informationen bekommt.

Unsere Sinne sind nur für ein sehr beschränktes Spektrum ausgelegt – wir können beispielsweise keine Infrarot- oder Ultraschallwellen wahrnehmen. So entscheiden unsere Sinne zum einen, was für Informationen unser Gehirn bekommen kann.
Wie das Gehirn die Informationen verarbeitet, entscheidet letztlich, wie wir wahrnehmen.
Nach einem Schlaganfall essen manche Menschen nur noch das, was auf der rechten Seite ihres Tellers liegt, weil sie auf der linken Seite nicht mehr wahrnehmen, obwohl organisch das linke Auge normal funktioniert.
Andere Menschen sehen Zahlen räumlich oder schmecken Geräusche.

Das Bewertungssystem aufgrund von Erfahrungen formt zusätzlich unsere Wahrnehmnung. Denn wer noch nie eine Ampel gesehen hat, wird dem Licht keine weitere Bedeutung beimessen und dementsprechend auch nicht darauf reagieren.

Die Reaktion auf Reize

Die subjektive Realität, die jeder von uns erlebt, wird geformt durch die Informationsverarbeitung der Reize und wie wir darauf reagieren – anders gesagt durch den Informationsfluß zwischen dem sensorischen und motorischen System des Körpers. Das ist die Grundlage für jedes Lernen.
Wird dieser Informationsfluß beeinträchtigt, indem wir durch Haltungen oder Spannungen die Motorik einschränken oder erweitert, indem wir neue Bewegungen lernen und neue Fähig- und Fertigkeiten erwerben, formt das unser Erleben von uns selbst und der Umwelt.

Während Wahrnehmungsprozesse in weitern Bereichen unbewußt ablaufen, ist unsere Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit der bewußte Teil, auf den wir Zugriff haben.

Die Aufmerksamkeit

Die Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit, uns aus der unendlichen Flut an Reizen gezielt auf einen Bereich fokussieren und konzentrieren zu können.
Diese Fähigkeit ist überlebensnotwendig. Wenn ein Signal unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht – wie das Hupen eines Autos – sind wir unabhängig davon, womit wir gerade beschäftigt waren, in der Lage zu entscheiden, ob und wie wir darauf reagieren.
Andersherum können wir unsere Aufmerksamkeit auch gezielt und über einen längeren Zeitraum hinweg auf einen Bereich lenken.
So können wir plötzlich oder dauerhaft einem Reiz oder Bereich besondere Priorität beimessen.

Wir lenken unsere Aufmerksamkeit gerne und mühelos auf das, was uns interessiert und begeistert. so lernen wir am leichtesten neue Fähig- und Fertigkeiten. Selbst kniffelige Aufgaben in dem Gebiet können dann als lustvolle Herausforderungen erlebt werden, die zu meistern wir motiviert sind.
Zuweilen müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf Bereiche lenken, uns mit ihnen beschäftigen, obwohl es uns nicht gefällt. Dann sind wir vielleicht mit innerem Widerstand zugegen und mühen uns eher ab und nutzen vielleicht jede Möglichkeit, uns ablenken zu lassen.

Die eigene Aufmerksamkeit entschieden auf etwas lenken zu können, ist wie ein Muskel, der trainiert werden will.

Aufmerksamkeit und psycho-physische Spannungsmuster
Wenn wir in Haltungen verharren, in Vorstellungen, Überzeugungen, Befürchtungen oder Erwartungen, fixieren wir auch unsere Aufmerksamkeit damit.

„Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können“ sagte bereits Albert Einstein.

Psycho-physiche Spannungsmuster unterliegen zumeist nicht mehr der eigenen Kontrolle, da sie so normal geworden sind. Als ob es mit uns passiert, das die Gedanken kreiseln, der Nacken verspannt, der Magen drückt oder uns Angst die Luft nimmt, bestimmen nicht mehr wir, welche Theorie wir als Beobachtungsgrundlage wählen, sondern beginnt die Theorie uns zu bestimmen.

Aufmerksamkeit und Körpertherapie

Über den Körper können wir lernen, Spannungsmuster wahrzunehmen und loszulassen, durch die wir gewöhnlich wie automatisch mit unserer Aufmerksamkeit gebunden sind. Dadurch wird es uns möglich, zu entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken wollen.

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